„Frieden retten“, so lautet der Titel des diesjährigen Friedensgutachtens. Zwei Wörter, denkbar klar definiert, deren Bedeutung durch kriegführende Parteien in der Geschichte bis zum heutigen Tag oft verdreht wurde. Was bedeutet es, „Frieden zu retten“, wie könnte dies gelingen oder ist unser Frieden in der jetzigen Zeit, gezeichnet von neuem Imperialismus und einer unsicheren Weltordnung, überhaupt noch zu retten?
Diese Fragen stellten sich der Leistungskurs des Fachs Geschichte von Frau Römer sowie der bilinguale Geschichtskurs von Herrn Kleesiek der E-Phase am 19. November. Anlass hierfür bot ein Vortrag mit anschließender Diskussion von Frau Dr. Baumgart-Ochse, einer der Verfasserinnen des Friedensgutachtens.
Zu Beginn erläuterte Frau Dr. Baumgart-Ochse anhand anschaulicher Statistiken des Gutachtens, welche Konflikte zum aktuellen Zeitpunkt die Welt belasten und zerreißen. Dabei ging sie auf die augenfälligsten Konfliktherde, wie den Nahostkonflikt und den Krieg in der Ukraine, aber auch auf weniger bekannte Auseinandersetzungen, die Länder, wie Äthiopien oder den Sudan, belasten, ein. Es wurde deutlich, dass in dem Gutachten neben einer Aufrüstung Deutschlands auch ein verstärktes weltweites Engagement in sozialen aber auch kooperativen Bereichen empfohlen wird. Genauso sei die Vermeidung eines antagonistischen Wettrüstens für die Bewahrung einer regelbasierten Weltordnung essentiell.
Anschließend ging Frau Dr. Baumgart-Ochse mit Schülerinnen und Schülern beider Kurse in den direkten Austausch. So bekamen Noam Brede, Jördis Pfarr, Anna Ackermann und Viktor Silvano Del Toro-Rosini, unter der freundlichen, freien Moderation von Hannes Dittmar, Gelegenheit, bereits zuvor in den Kursen erarbeitete Fragen zu stellen.
Schnell entstand eine bereichernde Diskussionsrunde, in der Frau Dr. Baumgart-Ochse auf dem bereits Dargelegten aufbaute und die Gelegenheit nutzte, über Themen zu sprechen, die bis dahin nur knapp behandelt werden konnten. Es wurden Fragen zur derzeitigen Lage, die deutsche Politik betreffend, die Kursänderung der USA unter Donald Trump und die zukünftige Ausrichtung Deutschlands sowie zu ihren persönlichen Einschätzungen diesbezüglich gestellt. Die vier Schülerinnen und Schüler konnten sich mit ihrem Wissen gut einbringen, sodass eine Debatte entstand, die nie einseitig wurde.
Als die Fragerunde auf das gesamte Plenum erweitert wurde, kamen Mitglieder beider Kurse zu Wort, um ihre Fragen zu stellen, angeregt von bewegenden wie polarisierenden Themen unserer Zeit. Auch in der größeren, engagiert diskutierenden Runde konnte Frau Dr. Baumgart-Ochse gut mit der Gruppe in Verbindung treten und in den Austausch kommen.
Trotz der schweren Themenbereiche endete dieser Vortrag doch auf einer positiven Note, als Herr Kleesiek das immer wieder auftretende, „charmante Vielleicht“ als Option für mögliche Lösungen erwähnte. Ein „Vielleicht“, dass mit beherztem Handeln selbst in den größten Katastrophen und langwierigsten Konflikten Besserung geschaffen werden kann. Ein „Vielleicht“, dass womöglich mit der Zusammenarbeit in einer fairen Weltgemeinschaft doch noch der Frieden gerettet werden kann.
Während der Reflexionen einige Tage später bezeichnete ein Großteil der Tutorien diese Veranstaltung als gelungen. Es wurde der Wunsch geäußert, man hätte die Unterhaltung im Plenum während der darauffolgenden Stunden des Fachs Politik und Wirtschaft fortführen können. Immerhin stecken in diesem Gutachten wichtige Ratschläge, die, egal, ob in der Schule oder im Bundestag, Gehör finden sollten.
Moritz Hanselmann (E-Phase)

