Der Geschichts-Leistungskurs der Q1 hat heute einen Gedenkrundgang durch Kassel unternommen, um die Stolpersteine, für die die Geschichts-LKs unserer Schule traditionsgemäß die Patenschaft übernehmen, zu pflegen und der Einzelschicksale der Verfolgten zu gedenken. Sie sind überall, doch kaum einer sieht sie, weshalb wir den heutigen Tag nur ihnen gewidmet haben. Wir blieben stehen, erzählten von ihrem Leben, welches zu früh enden musste, und putzen die Stolpersteine in der Hoffnung, dass sie und ihre Geschichten besser gesehen werden und erhalten bleiben.
Katinka und Bruno Fröhlich, ein Ehepaar dass sich in nichts zu anderen unterscheidet außer in ihrer Herkunft – ihr Leben, voller Träume und Hoffnungen, zerstört durch den Nationalsozialismus.
Max Plaut, ein Mann, der sein Leben für das Richtige geben wollte und über die damalige Kasseler Musikswelt berichtete. Er wurde aus seiner Wohnung gerissen, gefoltert und dann eines der ersten Todesopfer des NS-Regimes in Kassel.
Familie Mondschein, Eltern und Kinder, die sich liebten und miteinander leben wollten, jedoch keinen sicheren Ort finden konnten – eine Familie durch Hass und Verfolgung auseinandergerissen.
Kurt Finkenstein, ein Intellektueller, der sein Leben Literatur, Musik und Politik widmete – ermordet im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, weil er für seine Werte einstand – Rechtsstaatlichkeit, Menschlichkeit und Miteinander.
Lehmann Tannenbaum, Vater und Ehemann, welcher sein Leben wie alle anderen leben wollte, ohne aufzufallen – seine jüdische Herkunft wurde zu seinem Todesurteil
Luise Nauhaus, eine Frau, die an einer psychischen Erkrankung litt und Hilfe brauchte – ein Mensch wie alle anderen. Anstatt Hilfe, bekam sie Unmenschlichkeit, ihr Leben wurde von den Nationalsozialisten als „lebensunwert“ erklärt und sie wurde ermordet.
Ihre Stolpersteine mögen klein sein, aber ihre Bedeutung ist groß. Sie zwingen uns stehenzubleiben, den Blick zu senken und einen Namen zu lesen. Erinnerung beginnt im Alltag, denn das, was vor weniger als 100 Jahren geschah, begann nicht irgendwo, sondern mitten in unseren Städten und Straßen. Hinter den Ermordeten und Verfolgten im Nationalsozialismus steckt nicht eine abstrakte Zahl – dahinter stecken Menschen mit Geschichten wie du und ich. Menschen, die ein Leben wie wir verdient hätten, das ihnen jedoch entrissen wurde.
Lasst uns gemeinsam erinnern. Wir alle tragen die Verantwortung, ihre Namen nicht zu vergessen. Lasst uns alle mithelfen, dass die Geschichte sich nicht wiederholt.
Für den Geschichts Leistungskurs der Q1
Vivien Spivakov


