Berichte

Ira Peter am FG

„Deutsch genug?“ Ira Peter erklärt am Friedrichsgymnasium, warum wir endlich über Russlanddeutsche (und andere) sprechen müssen. 

„Deutsch genug?“ ist der Titel des ersten Buches der Journalistin, Podcasterin und politischen Bildnerin Ira Peter, die am 24.03.2026 am Friedrichsgymnasium zu Gast war, um mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 9 sowie einigen Kursen der E-Phase über Fragen von Identität und Zugehörigkeit ins Gespräch zu kommen. 

Ira Peter nimmt ihre eigene „russlanddeutsche“ Herkunft und Familiengeschichte („seit mindestens sieben Generationen sterben die Angehörigen meiner Familie nicht dort, wo sie geboren werden“) zum Anlass, näher hinzuschauen auf eine zwar präsente, aber oft übersehene und vielfach ausgegrenzte Diaspora in Deutschland. Es geht ihr darum, unbequeme und komplexe Fragen zu stellen nach Anpassungsdruck und dem, was dem Ankommen in einer Mehrheitsgesellschaft im Wege steht. Fragen und Antworten, die weit über den engeren Kontext der „Russlanddeutschen“ hinausweisen und die sich uns allen mit unseren Haltungen zu Migration und Integration stellen. Ira Peter nimmt dazu ihre Familiengeschichte und -geschichten als Startpunkt, um mit ihrem Publikum Diskursräume zu betreten, die Verständnis und Respekt ermöglichen. Dabei scheut sie sich nicht, deutliche Kritik an mehrheitsgesellschaftlichen Missverständnissen und diskriminierenden Zuschreibungen zu üben. Aber auch Teile der „russlanddeutschen“ Community konfrontiert sie schonungslos, etwa wenn sie deren Affinität zu autoritärer Politik, Putinismus und Kreml-Propaganda als eine Art geschichtsvergessenes Stockholm-Syndrom einer Gruppe, deren Identität durch zahlreiche transgenerationale Gewalterfahrungen geprägt und verformt wurde, adressiert. Dass sie dies stets einladend und ihrem jugendlichen Publikum zugewandt, tut, ist eine große Stärke von Ira Peter. 

In ihren Rückmeldungen zeigten sich viele Schülerinnen und Schüler beeindruckt von der Informationsdichte des Gesprächs. Wie Ira Peter aus ihrem eigenen Erleben von Weggehen und holprigem Ankommen, von Missverständnis und Verständnis den Bogen zur großen Erzählung von Gewalt und Migration im 20. Jahrhundert zog, das regte vielfach zum Nachdenken und Sprechen über eigene die Geschichte, Herkunft und Identität an. 

Die Themen aus Ira Peters Buch und die alte Frage, wann und wie man wohl „deutsch genug“ ist, spiegeln sich in einer identitätspolitisch umkämpften Gegenwart. Und sie betreffen nicht nur „die Russlanddeutschen“, sondern uns alle – egal, ob mit oder ohne „Migrationshintergrund“. Und genau deshalb gehören sie in die Schule, damit die Schule ein Ort des Verstehens und des Verständnisses ist, wird und bleibt. 

Eine solche Veranstaltung gelingt nur mit Helfenden, Engagierten und mit Unterstützung. Großer Dank gilt daher der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung, dem Förderverein des Friedrichsgymnasiums, der Technik-AG sowie den Kolleginnen und Kollegen im Jahrgang neun sowie der E-Phase für Vor- und Nachbereitung und ihre Spontaneität. 

KLE und Schülerinnen und Schüler des Kurses Geschichte bilingual des Jahrgangs 9

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