Zu dieser Frage haben am 28.05. Tina Behnke, persönliche Referentin des Präsidenten der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, und Daniel Untch vom Zentrum Ökumene der EKHN und EKKW in der gut besuchten Mensa des FG mit Schülerinnen und Schülern der E2 (Tutorium ROC) diskutiert. Hierbei ging es um die neue Wehrpflicht, Friedensethik und die Rolle aller Bürgerinnen und Bürger im Hinblick auf die Verteidigung des Landes. Das Grußwort sprach Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der EKKW. Sie verdeutlichte eindringlich die Relevanz des Themas.
Nach der Begrüßung durch Moritz Jäger und Phillip Kniest stellten Negin Adibi Nia und Philipp die Diskussionspartner vor. In den anschließenden jeweils zehnminütigen Redezeiten beleuchteten Frau Behnke und Herr Untch Informationen in Verbindung mit ihren Berufsfeldern für den kommenden Diskurs.
Frau Behnke zeichnete zunächst ein differenziertes Bild des Wehrdienstes. Dabei äußerte sie Bedenken hinsichtlich der von der Bundesregierung ihrer Ansicht nach zu hoch angesetzten Musterungsziele und unter welchen Umständen es aufgrund sicherheitspolitischer Herausforderungen zu einer Bedarfswehrpflicht kommen könnte, die nicht auf Freiwilligkeit fußt. Sie klärte auch über drei weit verbreitete Falschinformationen auf, die angesichts der Bedrohungslage durch Russland teilweise in Medien verbreitet werden: Die Behauptung, Wehrpflichtige und Reservisten würden an die Front geschickt werden, widerlegte sie mit dem Hinweis, dass Soldatinnen und Soldaten für einen Fronteinsatz mindestens eine Ausbildung von zwölf Monaten erhalten haben müssen. Der Beitrag der Reservisten liege im Heimatschutz, den sie im weiteren Verlauf der Veranstaltung konkreter erläuterte. Die zweite Falschinformation sei, dass sich Deutschland am schwedischen Wehrpflichtmodell orientiere. Dies sei nur teilweise der Fall, da die Voraussetzungen hierfür unterschiedlich seien. Zuletzt ging sie auf die Wahrnehmung vieler Älterer ein, die dem Diskurs um die Wehrpflicht und um den Wandel der Lebensrealität der jüngeren Generation mit Unverständnis begegnen würden.
Herr Untch stellte die evangelische Friedensethik vor und verdeutlichte die Unterscheidung zwischen Frieden und Sicherheit anhand eines engen und weiteren Friedensbegriffes. Sicherheit sei nach der Denkschrift der EKD nur ein Schritt auf dem Weg zum Frieden, welcher ein andauernder Prozess sei, für den verschiedene Faktoren erfüllt werden müssten. Vier bedeutsame Aspekte, die für den Gerechten Frieden nach der Denkschrift notwendig seien, sind der Schutz vor Gewalt, die Förderung von Freiheit, der Abbau von Ungleichheiten und ein friedensfördernder Umgang mit Pluralität. Hilfsprojekte der evangelischen Kirche, die diesen Wandel zum Frieden ermöglichen, stellte er beispielhaft dar. Zwar räumte Herr Untch ein, dass Wehrpflicht ethisch vertretbar sein könne, er mit seiner Arbeit als Ratgeber für Wehrdienstverweigerer aber das Ziel habe, die im Grundgesetz verankerte und geschützte Freiheit der Kriegsdienstverweigerung auszureizen. Er plädierte wie Frau Behnke für die vereinfachte Möglichkeit, einen Ersatzdienst zu leisten und diesen gerecht zu bezahlen.
Die nächste Etappe der Veranstaltung umfasste Fragen der Schülerinnen und Schüler, die von Hannes Dittmar und Tim Freisinger gestellt wurden. Zuerst fand eine der wesentlichsten Fragen der gesamten Veranstaltung, nämlich die über das Ausmaß der Verantwortung der jungen Generation für die Sicherheitspolitik, Beantwortung. Frau Behnke erklärte, dass die Sicherheit eines Landes nie allein durch den Staat gewährleistet werden könne und die Bürgerinnen und Bürger nicht nur Empfänger von Sicherheit sein können, sondern auch dazu beitragen müssten. Reservisten hätten z. B. die Verantwortung für den Heimatschutz und die Infrastruktur, die den Aufmarsch von NATO-Streitkräften ermögliche, während sich Zivilpersonen über Ehrenämter mit ihren individuellen Fähigkeiten engagieren könnten. Ein stärkerer gesellschaftlicher Zusammenhalt sei besonders für den Zivilschutz in Deutschland nötig, welcher im Vergleich zu den nordeuropäischen Ländern unzureichend sei.
Weitere Fragen erfolgten zu persönlichen Entscheidungen, z. B. im Hinblick darauf, den Kriegsdienst zu verweigern (Herr Untch) bzw. Soldatin zu werden und der Bedeutung von Religiosität in der Bundeswehr (Frau Behnke) und zur globalen Ebene, z. B. dass Technologie im Militär kaum mit Klimaschutz vereinbar ist, wie die europäische Verteidigungspolitik ausgebaut werden könne, die Rolle der USA in der NATO sowie die Tragfähigkeit von Artikel 5 (Beistandsklausel) des NATO-Vertrages und wie sinnvoll staatliche Eingriffe in den Rüstungsmarkt sein können.
In seinem Fazit stellte Moritz Jäger fest, dass die Frage nach Sicherheit – individuell und global – kontrovers und differenziert betrachtet werden könne, und griff dabei einige Kernpunkte der Veranstaltung auf. Anschließend war Zeit, sich bei einem Getränk mit weiteren Fragen im persönlichen Gespräch auseinanderzusetzen.
Ein herzlicher Dank gilt unseren Kooperationspartnern, dem Evangelischen Forum, dem Bildungsforum St. Michael und der VHS sowie der Q2, die sich um das Catering gekümmert hat.
Moritz Hanselmann (E2) und ROC



