Die DS-Kurse der Q-Phase von Frau Bodenstein und Frau Meywirth besuchten am 31.08.2026 die Veranstaltung „neunzehnhundertzweiundvierzig MemoRails“ des Deutschen Theaters in Göttingen. Der Regisseur Gernot Grünewald verknüpft in diesem Rechercheprojekt verschiedene Darbietungsformen wie Audiowalk und Performance miteinander, um deportierten Jüdinnen und Juden sowie den osteuropäischen Zwangsarbeitenden einen Erinnerungsraum zu schaffen und an unsere Verantwortung zu appellieren. „Wenn Zeugen gestorben sind, wird Geschichte abstrakt“ – hier setzt das Projekt an. Der Tag begann mit einem einstündigen Audiowalk, der den letzten Weg der deportierten Jüdin Anna Rosenberg von ihrem Wohnhaus bis zum Güterbahnhof nachempfindet. Er führte die Gruppe durch die Innenstadt und erweckte die Vergangenheit über die Kopfhörer durch Texte, Geräusche und Hitlerparolen wieder zum Leben. Dort, wo Bücher verbrannt wurden, steht jetzt ein Zirkuszelt und wo Juden das Kuchenessen verboten war, frühstücken jetzt Menschen jeder Kultur und Hautfarbe. Am Güterbahnhof angekommen nahmen die Kurse Platz auf einzelnen, im Raum verteilten Stühlen, sodass wir dadurch Teil der Performance wurden, die an den Audiowalk anknüpfte. In diesem „Assoziationsraum“, wie der Regisseur den Ort im Nachgespräch nannte, zeigten vier Schauspielerinnen hinter übergroßen Frauenmasken auf eindrucksvolle und emotionalisierende Weise, wie entwürdigend Zwangsarbeiterinnen in Göttingen behandelt wurden und wie wenig Aufarbeitung bis heute erfolgt ist. Nach diesem herausfordernden und zugleich beeindruckenden Tag gab es in vielerlei Hinsicht Gesprächsbedarf: Warum wissen wir so wenig über Zwangsarbeit und das Schicksal dieser Menschen? Darf Erinnerungskultur so krass sein? Würden wir einschreiten, wenn Menschenrechte heutzutage so missachtet werden?
BOD/MEY

